Swazey Hotel
An der Ecke von Main und Union Street steht das Swazey Hotel, ein zweistöckiger Holzbau, der sich deutlich zur Seite neigt. Dass es überhaupt noch steht, verdankt es den Stützbalken, die die Ranger des State Parks auf der Rückseite angebracht haben. Es ist das Paradebeispiel für den „Arrested Decay“: Man stabilisiert das Gebäude gerade so sehr, dass es nicht zusammenbricht, aber man begradigt es nicht, um den Prozess des Verfalls sichtbar zu lassen.
In seiner Blütezeit, am Ende des 19. Jahrhunderts, war das Haus von Horace Swazey ein Ort von bemerkenswerter funktionaler Ehrlichkeit. Während im Obergeschoss die Durchreisenden in schmalen Betten nächtigten, betrieb er unten einen Laden und verkaufte alles von feinen Stoffen bis hin zu robuster Kleidung für die Minenarbeiter und anscheinend auch Särge. Swazey war eine jener Figuren, die den Übergang vom wilden Goldrausch zur organisierten Kleinstadt symbolisierten.
Ich fotografierte hier am frühen Morgen. Der dunkle, fast schwarze Himmel bildet einen schönen Kontrast zum ausgeblichenen Holz.
Das Swazey-Hotel ist für mich eines jener Motive, die zeigen, dass Verfall eine eigene Würde besitzen kann. Ein Bild, das die stille Kraft dieses Ortes besonders gut transportiert.


























